Archive for the ‘Marcel Reich Ranicki’ Category

Mediennutten gibt es überall
Oktober 20, 2008

Ein Mann fragt in einer Bar eine Frau:

„Würden Sie für eine Million Euro mit mir schlafen?“

„Sofort!“

„Und für 10 Euro?“

„Für was halten Sie mich bitte???“

„Das haben wir doch schon geklärt – jetzt müssen wir uns nur über den Preis einigen.“

Und nun kam raus:

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Somit bleibt der Literaturpapst für mich käuflich, bis er eine andersweitige und glaubwürdige Erklärung abgibt.

Sehr enttäuschend.

Nein, empörend! Wurden auch die 30 Minuten „Aus gegebenen Anlass“ mitunter aus GEZ-Gebühren finanziert.

Das heißt: Der Gebührenzahler hat die Werbekampagne von einem börsennotierten Unternehmen und die Werbegage eines Privatmanns mitfinanziert.

Ich könnte gar nicht so viel essen wie ich kotzen könnte.

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Aus gegebenem Anlass
Oktober 18, 2008

Anmerkungen zu der Peinlichkeit des deutschen Fernsehens.

1.

Die viel erwartete Sendung fing mit folgendem Einspieler an:

Und somit schon mit einer schiefen Darstellung. Der Deal beinhaltete nämlich ganz andere Punkte.

Rufen wir daher zunächst einmal Erinnerung, was Gegenstand des Deals an dem Abend der Preisverleihung war:

Also eine muntere Runde aus 4-5 Leuten. Die Intendanten haben von ARD und ZDF haben dies mit deutlichem Kopfnicken bestätigt. Vor laufender Kamera. Sonntag abend. Eine Stunde. Zusammenschalten.

Daraus wurde jedoch lediglich eine halbe Stunde, 2 Leute, keine Zusammenschalte, und die Sendezeit Freitagabend 22:30 Uhr ist wohl auch nicht die Allerbeste.

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Wo waren denn die Itendaten? Die Intendaten von ARD und ZDF zumindest hatten deutlich genickt bei dem Vorschlag von Thomas Gottschalk. Aber anwesend waren sie nicht. Warum nur? Angst vor dem Literaturpapst? Angst davor, nicht dass passende schnell genug sagen zu können vor einem 88jährigen, der auf der Klaviatur der deutschen Sprache tänzeln kann wie wenige andere?

Nein, das war angeblich nicht der Grund. Gottschalk erklärte:

…weil sonst niemand zuschauen würde. Aha. Damit kommen wir zum nächsten Punkt:

2.

War dieser Dialog zwischen Marcel Reich-Ranicki und Thomas Gottschalk vielleicht dann doch ein Eigentor? Eurer Unser (WIR haben schließlich GEZahlt) Arbeitnehmer Thomas Gottschalk bekundete an anderer Stelle:

Heute gilt im Fernsehen der Erfolg!

Bei den Privaten, klar, offenkundig. Die finanzieren sich vollends durch Werbung, und Teleshopping, und Telefonquizspielchen mit Titten im Hintergrund.

Aber die öffentlich-rechtlichen? Bitte!?! Es wird doch schließlich dafür GEZahlt, dass Ihr unabhängig seid, dass Ihr nicht von Werbeeinnahmen abhängig seid, etc etc.

Wenn aber nun „im Fernsehen“, also für alle Sender, letztlich der Erfolg gilt, warum wird dann das öffentlich-rechtliche Fernsehen durch GEZ-Gebühren bevorzugt? RTL2 und 9Live, bitte klagt hiergegen! Wenn die öffentlich-rechtlichen im direkten Wettbewerb stehen, dann solltet Ihr auch was vom GEZ-Pott abgekommen. Da sind ganz viele Euros drin! In 2006 waren es mehr als 7 Milliarden!

Oder hat Gottschalk Unrecht? Er hat, und wie. Der einzig wirklich sehenswerte Sender nach Marcel Reich-Ranicki ist ARTE. Dazu Wikipedia:

Der Sender finanziert sich zu 95 % über die in Deutschland und Frankreich erhobenen Fernsehgebühren. Gemäß dem Gründungsvertrag strahlt der Sender keine Werbung aus, eine Teilfinanzierung durch Sponsoring ist jedoch zulässig.

Zurück zum Zitat:

Heute gilt im Fernsehen der Erfolg!

Ich behaupte, dass ARTE nicht massentauglich ist. Zu langweilig für viele Zuschauer. Zu wenig Gewalt, Sex & Rock´n´Roll. Zu viele Dokus, und man muss schon global interessiert sein, und auch mitunter mal ein Geschichtsbuch von innen gesehen haben.

Bleibt eine entscheidende Frage: Wenn sowohl ARTE als auch das ZDF GEZ-finanziert ist, warum zählt dann für das ZDF der Erfolg? Müßte nicht das ZDF (nebst ARD und allen weiteren Dritten) ähnlich wie ARTE handeln und einfach ein anspruchsvolles Programm bieten? Müßte es – tut es aber nicht. Quote! Warum ist dies für das durch Gebühren finanzierte ZDF relevant? Weil sie Werbung schalten. Wozu das? Ist doch schon größtenteils alles bezahlt!

Die Gebühren…

…tragen zur Finanzierung des durch den Rundfunkstaatsvertrag geregelten Auftrags zur Grundversorgung durch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bei. (Wikipedia)

Ok, sie tragen dazu bei. Ein wenig Werbung geht. Aber:

Grundversorgung muss unabhängig von der Quote sein. Grundversorgung darf nicht auf Quote und Gewinnerzielungsabsicht ausgerichtet sein.

Wer es verpasst hat kann sich hier die 30 Minuten in voller Länge ansehen.

Hirnlose Exkremente…
Oktober 17, 2008

…hat sie nicht gesagt. Nein, sie sagte „hirnlose Scheiße“.

Und nun prüfe man beim ZDF angeblich, ob eine weitere Zusammenarbeit noch möglich sei.

Zu schön, was der ZDF-Programmchef Thomas Bellut in diesem Interview so von sich gibt. Auf die Frage, ob Marcel Reich-Ranicki recht gehabt haben könnte, antwortet er

Natürlich hat er in der Form nicht recht. Unmittelbar vor der Ausstrahlung des Fernsehpreises am vergangenen Sonntag lief bei uns die Dokumentation Expedition Erde mit dem Astronauten Thomas Reiter. Das ist höchstes wissenschaftliches und ästhetisches Niveau. Unmittelbar nach der Fernsehpreisverleihung kam ein „Heute-Journal Spezial“ zur Weltwirtschaftskrise. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk hat Qualitäten und ist trotzdem sicher nicht perfekt. Aber diese grundsätzliche Debatte bitte differenziert und intellektuell sauber.

Hm, gut.

Aber ob man nun 2 oder gar 5 Liter Chanel N#5 in einen Jauchetümpel kippt – die Atmosphäre ist ist es immer noch nicht wie in der Pafümerie Douglas oder wie auf einer duftenden Sommerblumenwiese.

Marcel Reich-Ranicki hat recht! Ganz klar! Schrott und Köche, dass ist das, was das deutsche Fernsehen uns so bietet.

Nicht wahr? Doch! Hier mal auszugsweise in das Programm des ZDF von heute.

10:30 Wege zum Glück (Kapitel 701) Telenovela
11:15 Reich und Schön Familienserie
11:35 Reich und Schön Familienserie
14:15 Die Küchenschlacht (Alfons Schuhbeck sucht den Spitzenkoch)
16:15 Wege zum Glück (Kapitel 702) Telenovela
17:45 Leute heute Boulevardmagazin
19:25 Der Landarzt (Lektionen) Heimatserie
22:30 Aus gegebenem Anlass (Marcel Reich-Ranicki im Gespräch mit Thomas Gottschalk) Interview *
23:30 Lanz kocht (Einmal um die ganze Welt)

* Einmalig, leider.

2x Kochen, 5x zweifelhafte Soaps, etc. Und dafür muss auch noch GEZahlt werden. UND das ZDF schaltet Werbung ohne Ende! Bitte, wenn sich das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer noch auf die Gebührenpflicht beruft, und dies, damit es gute, unabhängige Medien gibt, dann nehmt doch diese Exkremente raus und zeigt nur noch gute Sachen und die Diskussion wäre vorbei.

Außen vor lasse ich hierbei mal alle anderen Exkremente-werfenden Sender…

Außer arte und Phoenix. Ihr macht bitte weiter so!

…vor die Füße werfen…
Oktober 13, 2008

Sehr geehrter Herr Reich Ranicki, tausend Dank!

jennyAber nicht allen gefiel dieses Statement und die Ablehnung des Preises. Dazu Elvers-Elbertzhagen, ausgewiesene Kulturbeauftragte mit Schmuckverkaufsshow auf RTL-Shop im RTL-Exklusiv-Interview auf der Aftershow zu Marcel Reich Ranickis Auftritt:

Ich fand seinen Auftritt heute, wahrscheinlich als Einzige, nicht intelligent und nicht gut, sehr unpassend den großartigen Dokumentar-filmern gegenüber

Mensch Jenny! Da hast Du nicht genau hingehört. Marcel Reich Ranicki sagte unter anderem:

Ich gehöre nicht in diese Reihe der heute – vielleicht sehr zu Recht – Preisgekrönten.

(Volltext seiner Rede kann hier nachgelesen werden.)

Was war diese Veranstaltung eigentlich? Ein „Fernsehpreis“. Einer unter vielen. Ein weiterer. Wie viele gibt es davon in Deutschland? Ne ganze Menge!

* 3sat-Zuschauerpreis
* Adolf-Grimme-Preis
* Bambi
* Bayerischer Fernsehpreis
* Civis – Europas Medienpreis für Integration
* Deutscher Fernsehkrimipreis
* Deutscher Fernsehpreis
* Emil verliehen von TV Spielfilm
* Erich Kästner-Fernsehpreis der Babelsberger Medienpreise
* Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste
* Goldene Europa
* Goldene Henne
* Goldene Kamera
* Goldener Gong
* Goldener Löwe von Radio Luxemburg (fusionierte 1998 mit dem Telestar zum Deutscher Fernsehpreis)
* Goldener Bildschirm (& Silberner und Bronzener Bildschirm)
* Günter-Strack-Fernsehpreis
* Hessischer Fernsehpreis
* ver.di-Fernsehpreis (ehemals DAG-Fernsehpreis)
* Marler Fernsehpreis für Menschenrechte
* Telestar (fusionierte 1998 mit dem Goldenen Löwen von RTL zum Deutscher Fernsehpreis)
* Robert-Geisendörfer-Preis
* MIRA Award

Das sind einige. So viele? Vielleicht gar zu viele. Aber ein Stelldichein unter Prominenten, wo jeder jedem zujubelt, man sich im Anschluss ein bisschen Smalltalk halten kann, das ist doch super. Das braucht die deutsche Fernsehlandschaft auch! Ganz klare Sache! Und vor allem brauchen wir den „Deutschen Fernsehpreis“. Wir brauchen all diese Galas. Veranstaltungen, wo nun wirklich jeder, der mal über die Mattscheibe huschte, auftauchen kann, seinen Hühnerschiss zu Themen abgeben kann, und wo man sich gegenseitig so richtig geil finden kann, und dann als Aufbereitung in der Gala oder in der Bunten ein Foto von einem selbst erhoffen kann.

Natürlich sind die Produktionen „Das Schweigen der Quandts“ und auch „Contergan“ und viele weitere der Preisträger 2008 zu Recht Preisträger.

Dennoch sollte man sich mit Marcel Reich Ranicki und diesem Event  auseinander setzen. So, wie es z.B. Elke Heidenreich in ihrem wunderbaren Artikel auf FAZ.net, aus dem ich mir erlaube Auszüge hier anzuführen.

…und nominiert wird ALLES: Hauptrolle, Nebenrolle, Film, Serie, Unterhaltung, Regie, Schnitt, Effekte, Comedy, Bühne, Drehbuch, ach, endloser Unsinn, man will Hollywood sein und ist eben doch Köln-Ossendorf.

Wobei es die Academy (Oscar-Verleihung) noch bunter treibt, die haben noch viel lustigere Kategorien für Nominierungen.

Heidenreich bringt auch Gottschalks Darbietung auf den Punkt.

Er rang nach Luft, er kriegte einen Hustenanfall, und Thomas Gottschalk hat eine einzige Eigenschaft, die ihn zum Moderator befähigt, nur eine – er ist nicht intelligent, er ist nicht charmant, er hat keinen Witz, aber er ist reaktionsschnell. Er fasste MRR am Arm, hielt ihn fest und sagte (sinngemäß): O soviel Zorn, da schlage ich doch vor, wir setzen uns mit den Intendanten mal zusammen und reden in aller Ruhe darüber, und nun Applaus für Reich-Ranicki.

Und seit 2006 hat ihn die deutsche Fernsehlandschaft zurück. War er doch zunächst glücklicherweise in den USA, bewohnt er jetzt, bescheiden wie er ist, Schloss Marienfels.

Man könnte wohl noch so vieles zu dieser Event-vergeilten TV-„Prominenz“ schreiben. Zu den Elvers und Opdenhövels und all diesen illustreren Gesellen, die das ZDF dankenswerterweise nebst ihres äußerst bescheidenen Gesichtsausdrucks in die MAZ (siehe Video oben) reingeschnitten hat.

Aber nicht nur die „Sternchen“ und die Dünnpfiff produzierenden Leutchen müssen Schelte kriegen. Nein, auch die Itendanten und Veranstalter des diesjährigen Deutschen Fernsehpreises.

Ich fange wie folgt an. Atze Schröder kommt demnächst mit dem Film U900 in die Kinos. Hier der Trailer.

Ganz offensichtlich diente der Film „Das Boot“ als Vorlage für diesen Klaumauk-Film. Hier der Trailer (Sound aufdrehen!)

So, Das Boot behandelt also den U-Boot-Krieg des zweiten Weltkrieges. Schlimm genug.

Im Zweiten Weltkrieg gab es alleine 40.000 deutsche U-Bootfahrer. 30.000 kehrten nie zurück…

Atze macht sich daraus nun einen Spaß. Schlimmer.

Nicht unbedeutend im zweiten Weltkrieg war der Holocaust. Und hier gehören den Intendanten und/oder den Veranstaltern dieses „Deutschen Fernsehpreises“ wirklich die Eier abgesäbelt! Mindestens!

Im Programm Atze einzubauen, der dort schön Eigenwerbung für seinen WW2-Klamauk-Film macht, und dann Marcel Reich Ranicki, der, bis auf eine Schwester seine gesamte Familie im Holocaust verlor, als großes Finale einzuplanen, ist doch irgendwie unbegreiflich.

Aber lohnt sich letztlich all die Mühe? Schließen wir doch lieber mit der alten Weisheit:

Jeder bekommt was er verdient

Und Deutschland hat offensichtlich zu großen Teilen den Hühnerdreck verdient, der alltäglich über die Kiste flimmert, und zu kleineren Teilen Menschen wie Marcel Reich Ranicki, und das von ihm zitierte arte.

Ein Problem bleibt. Trotz der ganzen Schelte und berechtigten Kritik von Marcel Reich Ranicki muss für diesen ganzen Dreck auch noch GEZahlt werden.