Archive for the ‘Geschmacklosigkeiten’ Category

Mediennutten gibt es überall
Oktober 20, 2008

Ein Mann fragt in einer Bar eine Frau:

„Würden Sie für eine Million Euro mit mir schlafen?“

„Sofort!“

„Und für 10 Euro?“

„Für was halten Sie mich bitte???“

„Das haben wir doch schon geklärt – jetzt müssen wir uns nur über den Preis einigen.“

Und nun kam raus:

4400506367

Somit bleibt der Literaturpapst für mich käuflich, bis er eine andersweitige und glaubwürdige Erklärung abgibt.

Sehr enttäuschend.

Nein, empörend! Wurden auch die 30 Minuten „Aus gegebenen Anlass“ mitunter aus GEZ-Gebühren finanziert.

Das heißt: Der Gebührenzahler hat die Werbekampagne von einem börsennotierten Unternehmen und die Werbegage eines Privatmanns mitfinanziert.

Ich könnte gar nicht so viel essen wie ich kotzen könnte.

Perverser Voyeurismus
Oktober 17, 2008

Gestern strahlte der Unterhaltungssender ProSieben eine Folge seiner Casting-Show Popstars aus, die im Vorfeld zu großer Aufmerksamkeit gelange. Die Mutter einer Kandidatin verstarb an einem Herzinfarkt und dies wurde in der Sendung wie folgt zum Thema gemacht.

Einleitend zu der Szene, auf die Dank der frühen Berichterstattung durch Bild und der damit ausgelösten Welle der Empörung viel Aufmerksamkeit im Vorfeld hatte, zeigte man folgendes Bild. Licht am Ende des Tunnels?

pro7

Die ganzen Mädels saßen in einem Raum, Detlef „D!“ Soost kam hinein und sagte der frischen Halbwaisin mit trauergeschwängerter Stimme und ernster Mine „Viktoria, gehst Du mal hoch, Du hast nen Anruf, ja?!“ Die Kandidatin merkte sofort, dass etwas nicht stimmen konnte und schaute ihn verängstigt und Hilfe suchend an, „Wie bitte?„, „Du hast nen Anruf„, „Wo?„, „Oben„.

Ab dann wurde sie nicht mehr gezeigt, jedoch wie Detlef, den Tränen nahe, den übrigen Kandidatinnen die Nachricht mitteilte. Seine Nachricht beendete er mit….

Ich werd wahrscheinlich mit Viktoria nach Deutschland fliegen, damit sie jemanden hat der sie begleitet, und jetzt machen wir die Kamera bitte aus.

Die Kamera hätte man viel früher ausmachen sollen – vielmehr hätte man sie gar nicht anschalten sollen. Und selbst wenn…

Pro7-Sprecherin Tina Land dazu: „In diesem Falle ist nur eine Meinung wichtig: Victoria ist sehr zufrieden damit, wie ihre ganz persönliche Geschichte erzählt wird.“

…darf man nicht vergessen, dass Viktoria 16 Jahre alt ist, und somit zum Kreise der beschränkt geschäftsfähigen Personen gehört.

Aber ohne die Frage zu beantworten, ob sie wirklich wirksam darüber entscheiden konnte, so muss sich doch mal dieser „Unterhaltungssender“ ProSieben fragen, womit er hier Quote gemacht hat. Mit einer Szene, in der ein 16jähriges Mädel vom Tod ihrer Mutter erfahren hat. Und dass zur besten Sendezeit um 20:15 Uhr.

Damit ist ProSieben nicht besser als Drogensüchtiger im Cold Turkey, der für 10€ seine Mutter absticht. 

Quote, komme was wolle! Keep that fucking money machine rolling!!! Führ mich zum Schotter!

ProSieben hat gestern die unterste Schwelle des Anstands und guten Geschmacks im deutschen Fernsehen deutlich und in fragwürdiger Weise passiert. Ich schaue erwartungsvoll auf die Reaktionen, und die Veränderungen, die es geben könnte, aber nicht geben wird. Das Fernsehen wird immer beschissener, und ProSieben hat gestern neue Maßstäbe gesetzt.

…vor die Füße werfen…
Oktober 13, 2008

Sehr geehrter Herr Reich Ranicki, tausend Dank!

jennyAber nicht allen gefiel dieses Statement und die Ablehnung des Preises. Dazu Elvers-Elbertzhagen, ausgewiesene Kulturbeauftragte mit Schmuckverkaufsshow auf RTL-Shop im RTL-Exklusiv-Interview auf der Aftershow zu Marcel Reich Ranickis Auftritt:

Ich fand seinen Auftritt heute, wahrscheinlich als Einzige, nicht intelligent und nicht gut, sehr unpassend den großartigen Dokumentar-filmern gegenüber

Mensch Jenny! Da hast Du nicht genau hingehört. Marcel Reich Ranicki sagte unter anderem:

Ich gehöre nicht in diese Reihe der heute – vielleicht sehr zu Recht – Preisgekrönten.

(Volltext seiner Rede kann hier nachgelesen werden.)

Was war diese Veranstaltung eigentlich? Ein „Fernsehpreis“. Einer unter vielen. Ein weiterer. Wie viele gibt es davon in Deutschland? Ne ganze Menge!

* 3sat-Zuschauerpreis
* Adolf-Grimme-Preis
* Bambi
* Bayerischer Fernsehpreis
* Civis – Europas Medienpreis für Integration
* Deutscher Fernsehkrimipreis
* Deutscher Fernsehpreis
* Emil verliehen von TV Spielfilm
* Erich Kästner-Fernsehpreis der Babelsberger Medienpreise
* Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste
* Goldene Europa
* Goldene Henne
* Goldene Kamera
* Goldener Gong
* Goldener Löwe von Radio Luxemburg (fusionierte 1998 mit dem Telestar zum Deutscher Fernsehpreis)
* Goldener Bildschirm (& Silberner und Bronzener Bildschirm)
* Günter-Strack-Fernsehpreis
* Hessischer Fernsehpreis
* ver.di-Fernsehpreis (ehemals DAG-Fernsehpreis)
* Marler Fernsehpreis für Menschenrechte
* Telestar (fusionierte 1998 mit dem Goldenen Löwen von RTL zum Deutscher Fernsehpreis)
* Robert-Geisendörfer-Preis
* MIRA Award

Das sind einige. So viele? Vielleicht gar zu viele. Aber ein Stelldichein unter Prominenten, wo jeder jedem zujubelt, man sich im Anschluss ein bisschen Smalltalk halten kann, das ist doch super. Das braucht die deutsche Fernsehlandschaft auch! Ganz klare Sache! Und vor allem brauchen wir den „Deutschen Fernsehpreis“. Wir brauchen all diese Galas. Veranstaltungen, wo nun wirklich jeder, der mal über die Mattscheibe huschte, auftauchen kann, seinen Hühnerschiss zu Themen abgeben kann, und wo man sich gegenseitig so richtig geil finden kann, und dann als Aufbereitung in der Gala oder in der Bunten ein Foto von einem selbst erhoffen kann.

Natürlich sind die Produktionen „Das Schweigen der Quandts“ und auch „Contergan“ und viele weitere der Preisträger 2008 zu Recht Preisträger.

Dennoch sollte man sich mit Marcel Reich Ranicki und diesem Event  auseinander setzen. So, wie es z.B. Elke Heidenreich in ihrem wunderbaren Artikel auf FAZ.net, aus dem ich mir erlaube Auszüge hier anzuführen.

…und nominiert wird ALLES: Hauptrolle, Nebenrolle, Film, Serie, Unterhaltung, Regie, Schnitt, Effekte, Comedy, Bühne, Drehbuch, ach, endloser Unsinn, man will Hollywood sein und ist eben doch Köln-Ossendorf.

Wobei es die Academy (Oscar-Verleihung) noch bunter treibt, die haben noch viel lustigere Kategorien für Nominierungen.

Heidenreich bringt auch Gottschalks Darbietung auf den Punkt.

Er rang nach Luft, er kriegte einen Hustenanfall, und Thomas Gottschalk hat eine einzige Eigenschaft, die ihn zum Moderator befähigt, nur eine – er ist nicht intelligent, er ist nicht charmant, er hat keinen Witz, aber er ist reaktionsschnell. Er fasste MRR am Arm, hielt ihn fest und sagte (sinngemäß): O soviel Zorn, da schlage ich doch vor, wir setzen uns mit den Intendanten mal zusammen und reden in aller Ruhe darüber, und nun Applaus für Reich-Ranicki.

Und seit 2006 hat ihn die deutsche Fernsehlandschaft zurück. War er doch zunächst glücklicherweise in den USA, bewohnt er jetzt, bescheiden wie er ist, Schloss Marienfels.

Man könnte wohl noch so vieles zu dieser Event-vergeilten TV-„Prominenz“ schreiben. Zu den Elvers und Opdenhövels und all diesen illustreren Gesellen, die das ZDF dankenswerterweise nebst ihres äußerst bescheidenen Gesichtsausdrucks in die MAZ (siehe Video oben) reingeschnitten hat.

Aber nicht nur die „Sternchen“ und die Dünnpfiff produzierenden Leutchen müssen Schelte kriegen. Nein, auch die Itendanten und Veranstalter des diesjährigen Deutschen Fernsehpreises.

Ich fange wie folgt an. Atze Schröder kommt demnächst mit dem Film U900 in die Kinos. Hier der Trailer.

Ganz offensichtlich diente der Film „Das Boot“ als Vorlage für diesen Klaumauk-Film. Hier der Trailer (Sound aufdrehen!)

So, Das Boot behandelt also den U-Boot-Krieg des zweiten Weltkrieges. Schlimm genug.

Im Zweiten Weltkrieg gab es alleine 40.000 deutsche U-Bootfahrer. 30.000 kehrten nie zurück…

Atze macht sich daraus nun einen Spaß. Schlimmer.

Nicht unbedeutend im zweiten Weltkrieg war der Holocaust. Und hier gehören den Intendanten und/oder den Veranstaltern dieses „Deutschen Fernsehpreises“ wirklich die Eier abgesäbelt! Mindestens!

Im Programm Atze einzubauen, der dort schön Eigenwerbung für seinen WW2-Klamauk-Film macht, und dann Marcel Reich Ranicki, der, bis auf eine Schwester seine gesamte Familie im Holocaust verlor, als großes Finale einzuplanen, ist doch irgendwie unbegreiflich.

Aber lohnt sich letztlich all die Mühe? Schließen wir doch lieber mit der alten Weisheit:

Jeder bekommt was er verdient

Und Deutschland hat offensichtlich zu großen Teilen den Hühnerdreck verdient, der alltäglich über die Kiste flimmert, und zu kleineren Teilen Menschen wie Marcel Reich Ranicki, und das von ihm zitierte arte.

Ein Problem bleibt. Trotz der ganzen Schelte und berechtigten Kritik von Marcel Reich Ranicki muss für diesen ganzen Dreck auch noch GEZahlt werden.