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Email-Signaturen & -Disclaimer
November 19, 2008

Oh ja, gerade trudelte wieder so eine endgeile Email ein. Inhalt war recht kurz, etwas wie „Alles klar!„, gefolgt von einer der grausigsten Signaturen, die ich seit langem gesehen habe.

Zuerst erkennbar das „Viele Grüße“ als Inhalt der Signatur. Damit auch der Leser merkt, wie faul der Absender ist. Kommt immer gut an.

In den Adress-Daten stand ein „Achtung # entfernen vor dem Versenden !“ vor einer verstümmelten Emailadresse wie zB george.bush@#whitehouse.gov. Dadurch möchte der Absender verhindern, dass seine Emailadresse auf dem Weg hin zu meiner Mailbox automatisiert abgefischt wird und er dann Spam bekommt. Das Problem: Seine Emailadresse steht eh in dem Header als Absender – die clevere Verwendung von # outet ihn daher als richtigen Dummie.

Aber es geht noch weiter.

Die E-Mail wurde auf Trojaner, Würmer und Viren geprüft ! | ¡El correo electrónico fue probado para troyanos, gusanos y virus! | The e-mail was tested for Trojans, worms and viruses!

Beruhigend. Und das gleich auf drei Sprachen. Will da jemand rumposen, dass er „una cerveza, por favor“ sagen kann?

Das schönste kommt aber auch hier zum Schluss.

Diese E-Mail enthält vertrauliche und/oder rechtlich geschützte Informationen. Wenn Sie nicht der richtige Adressat sind oder diese E-Mail irrtümlich erhalten haben, informieren Sie bitte sofort den Absender und vernichten Sie diese E-Mail. Das unerlaubte Kopieren sowie die unbefugte Weitergabe dieser E-Mail ist nicht gestattet.

Este correo electrónico contiene confidencial y / o proteger por la información de ley. Si usted no fuera el destinatario correcto o recibió este correo electrónico erróneamente, usted por favor informa al remitente
inmediatamente y lo destruye este correo electrónico. El prohibido hacer copias tanto como el pasar on de este correo electrónico no es admitidos.

This e-mail may contain confidential and/or privileged information. If you are not the intended recipient or have received this e-mail in error, please notify the sender immediately and destroy this e-mail. Any unauthorized
copying, disclosure or distribution of the material in this e-mail is strictly forbidden.

Hui, Sprachfuchs! Nochmal – Inhalt der Email war „Alles klar!„.

Aber gehen wir mal im Einzelnen auf den Inhalt dieses Disclaimers ein.

Diese E-Mail enthält vertrauliche und/oder rechtlich geschützte Informationen.

Ach? Vertrauliche Informationen werden per Email unverschlüsselt verschickt? Das ist schon dumm genug. Rechtlich geschützt ist auch dieser Blog, da bin ich nämlich der Urheber. Auch für ein „Alles klar!“ besteht des Verfassers Urheberschaft – zum Glück weist er darauf hin.

Aber es geht ja noch weiter. Und das wirklich gut.

Wenn Sie nicht der richtige Adressat sind…

Weiß ich, ob ich der richtige Adressat bin? Wahrscheinlich erst, nachdem ich mich mühsam über den gesamten Text („Alles klar!„) gekämpft habe… Was ist das für eine Aussage? Dummheitsschutz? Nach dem Motto „Falls ich Ihnen fälschlicherweise aus eigener Blödheit die Restrukturierungspläne der Adam Opel GmbH geschickt habe, die total vertraulich sind, dann bitte bitte…„. What the fuck!

Ob diese Leute, die solche Disclaimer verwenden, entsprechende Sätze auch auf Postkarten oder Liebesbriefe schreiben?

Also weiter.

oder diese E-Mail irrtümlich erhalten haben

Wie soll das bitte gehen? Irrtümlich. Hä? Email ist elektronische Post, Internet, Computer, Einsen und Nullen, Binärcode eben.

bnc

Wobei es offensichtlich bei den Verfassern solcher Disclaimer weitaus mehr Nullen gibt als im Binärcode.

Ein Computer macht genau das, was man ihm eingibt.

Sender, Empfänger, Senden.

Irrtümlich? Irren ist eine Fehlvorstellung über Tatsachen. Wie soll dies bei einem Computerprozess passieren? Passiert Computern ständig, dass sie Einsen als Nullen wahrnehmen. Wie im echten Leben. Da werden Nullen als Einsen wahrgenommen.

Aber es geht noch weiter…

informieren Sie bitte sofort den Absender und vernichten Sie diese E-Mail.

Jetzt soll ich auch noch anfangen zu arbeiten? Moment! Wir haben festgestellt, dass Computer nicht irrtümlich handeln. Sie führen nur die Eingaben der Null aus, die vor dem Bildschirm sitzt. Wenn nun diese Null mir eine Email schickt, die gar nicht für mich bestimmt ist, muss ich anfangen zu arbeiten? Ja geht´s noch?

Vernichten! Wie vernichtet man eine Email? Soll ich sie ausdrucken und dann auf dem Balkon zuerst mit Benzin übergießen und dann verbrennen? Was für ein Schwachsinn. Etwas vernichten, was übers Internet gerauscht ist… Träumer!

Das unerlaubte Kopieren sowie die unbefugte Weitergabe dieser E-Mail ist nicht gestattet.

Wer sagt das? Bin ich hierzu vertraglich verpflichtet? Wohl kaum.

Für die Vertiefung zur rechtlichen Bedeutung dieses Schundes kopiere ich mal aus Wikipedia.

Allerdings dürften solche E-Mail-Disclaimer nach überwiegender Ansicht unter Juristen unwirksam sein.

Die Unwirksamkeit begründet sich aus zwei Umständen: Einmal ist es sehr schwierig, einen Dritten dazu zu bringen, etwas zu vergessen. Zweitens würde es sich bei diesen Disclaimern nach überwiegender Ansicht um AGB handeln. Allerdings müssten die vor dem Öffnen der E-Mail dem Adressaten zugänglich gemacht worden sein, ansonsten sind sie kein Vertragsbestandteil. Meistens befinden sich solche Textabschnitte auch erst unterhalb des Inhaltes einer Nachricht, was jegliche rechtliche Relevanz ausschließt.

Zudem ist es äußerst fragwürdig, warum der Inhalt nicht verschlüsselt versendet wurde, wenn er einer entsprechenden Geheimhaltung unterliegen soll.

Selbst wenn viele Juristen der Ansicht sind, dass diese Scheiße eh unwirksam ist, hindert es doch viele Kanzleien nicht daran, dennoch diesen Kack an jedes Ende einer Email zu packen.

Die Juristen können es sogar noch weitaus hirnverdrehter. Unglaublich, hier ein wunderbares Beispiel für eine Signatur (oder auch End-Text) einer Email aus einer Kanzlei:

Der Inhalt dieser E-Mail ist ausschließlich für den bezeichneten Adressaten bestimmt. Wenn Sie nicht der bezeichnete Adressat oder dessen Vertreter sein sollten, so beachten Sie bitte, dass jede Form der Kenntnisnahme, Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Weitergabe des Inhalts dieser E-Mail nicht gestattet ist. Bitte setzen Sie sich in diesem Fall mit dem Absender der E-Mail in Verbindung und löschen Sie die erhaltene E-Mail bitte unverzüglich.

Ja wie? Da lese ich gemütlich und aufmerksam, weil ich eine Email erhalten habe, und am Ende beachte ich, dass dies gar nicht gestattet ist? Hier war eine ganz große Null am Werk.

Im Netz gibt es eine wunderbare Sammlung von 100 blödsinnigen Disclaimern, hier nachzulesen.

Was letztlich wirklich traurig ist, dass aus dem „Alles klar!„, mit der eine Email auf 4kb anwächst, durch all diesen Schrott 22kb geworden sind. Das ist bitter.

Daher die Bitte an alle, die dies lesen: Lasst Disclaimer in Emails weg. Sie sind a) unsinnig, b) unwirksam, c) unnötig und letztlich d) verpesten sie auch unnötig die Umwelt. Denn für den Transfer von 18kb zusätzlich muss auch Strom erzeugt werden.