Gravenreuth ist tot

Februar 22, 2010 - Leave a Response

Letzte Nacht hat sich Günter Freiherr von Gravenreuth, ein das moderne Abmahnwesen mitbegründender Rechtsanwalt, das Leben genommen. Kurz vor dem Freitod schrieb er eine Abschiedsemail, Betreff “letzte Grüße in die Runde”, an Freunde und Bekannte.

Steffen Wernery, einer der Gründer des Chaos Computer Club, hat die Abschiedsmail von Gravenreuth erhalten. „Finanzprobleme, die nicht ausgestandene Strafsache, der Verdacht auf Krebs – letztlich aber schwere Beziehungsprobleme und der Entzug seines sozialen Umfeldes, sind laut seinen letzten Worten die Hintergründe“, so Wernery in einer E-Mail an Golem.de.

Tanja-Brief (Mädchen entfernt)Bekannt wurde Gravenreuth durch die sog. Tanja-Briefe. Ein kleines, 16jähriges, blondes Mädchen schrieb Computerspieler über Kontaktbörsen in Computerzeitschriften an, legte ein süßes Foto bei, jammerte, wie teuer doch das Hobby Computerspielen sei, und fragte nach Kopier-Partnerschaften. Der Computernerd, beeindruckt von dem Brief und vor allem dem Foto, biss meist sofort an und erhielt als Antwort auf seine Kopierbereitschaft einen Brief von Tanja Günter Freiherr von Gravenreuth und wurde gleich äußerst kostenpflichtig abgemahnt. Da kannte Tanja Günter Freiherr von Gravenreuth nichts.

Kurz darauf schloss er sich mit Bernhard Syndikus zusammen (bei dem Nachnamen Juristerei zu studieren liegt nahe). Syndikus hat maßgeblich die Forenhaftung in Deutschland mitentwickelt, und dies mit Hilfe der ehrwürdigen Hamburger Gerichte (Lustigerweise gibt es in den meisten Online-Rechtsfragen eine Hamburger Meinung, sowie eine andere Meinung aller anderer Gerichte). Neben der partnerschaftlichen Abmahnerei hat Syndikus auch im Dialer-Geschäft seine Finger gehabt.

Die beiden trennten sich dann irgendwann. Beide machten alleine weiter. Syndikus tauchte mal hier, mal da auf. Mitunter war er zwischendurch einmal der Admin-C entlicher frei gewordener Domains. Der Verdacht auf ein lukratives Domaingrabbing-Geschäft stand im Raume.

Gravenreuth erhielt seine erste Verurteilung wegen Urkundenfälschung in 60 Fällen im Jahr 2000. Damals “nur” eine Geldstrafe, die für Rechtsanwälte nicht weiter gefährlich ist. Dann kam noch eine weitere wegen Veruntreuung von Mandantengeldern.

gravenreuth.de - So sah seine Homepage aus

Der Gipfel der – öffentlichen – Geschichte ist meines Erachtens jedoch die Sache “Gravenreuth ./. taz.de”.

Irgendwann spielte irgendein Witzbold Gravenreuth und der taz.de einen miesen Streich. Jemand trug Gravenreuths Emailadresse in den Newsletter-Service der taz.de ein. Die taz.de bediente sich seinerzeit schon dem sog. Double Opt-In Verfahren, welches in Deutschland nach herrschender Meinung nicht als Spam zu klassifizieren ist. Nichts desto trotz freakte Gravenreuth total, als er die Anmelde-Email von der taz.de erhielt. Er erlies eine einstweilige Verfügung gegen die taz.de und gewann – was Deutschlands Juristen seinerzeit nicht nachvollziehen konnten. Aber Gravenreuth war auf dem Gebiet eben sehr sehr gut. Die taz.de beugte sich und Gravenreuth erhielt eine Schadensersatzsumme von 663,71 Euro zugesprochen. Diese Summe überwies die taz.de selbstverständlich unverzüglich, allerdings irgendwie unter dem falschen Zeichen. Entweder war es das gerichtliche Aktenzeichen und Gravenreuth erwartete Eingang unter seinem anwaltlichen Zeichen – oder umgekehrt. Parallel zu der Überweisung faxte die taz.de dem Gravenreuth auch eine Bestätigung, dass die Schuld beglichen sei. Aber da ging irgendwas schief. Vor allem bei Gravenreuth. Dieser freakte erneut und ließ kurzer Hand die Domain taz.de pfänden, um sie im Wege der Zwangsversteigerung zu Geld zu machen und seine Forderung zu befriedigen. Die taz.de insistierte und wies auf Überweisung und Fax hin – aber das juckte Gravenreuth wenig, er stritt den Erhalt von Fax und Geld ab. Kurz bevor die Zwangsvollstreckung begann erstattete die taz.de Anzeige gegen Gravenreuth wegen Betruges. Es fand eine Hausdurchsuchung – in den Kanzleiräumen von Gravenreuth – statt (Anmerkung: Rechtsanwälte sind Geheimnisträger – wenn es da zu einer Hausdurchsuchung kommt muss es schon richtig schief laufen!), und ich meine mich erinnern zu können, dass es damals im Rahmen der Hausdurchsuchung geheißen hat, dass es in der Kanzlei wie bei Hempels unterm Sofa ausgesehen haben soll. Das Fax, was Gravenreuth nicht gefunden hat, fanden die Polizisten. Und sie fanden auch den Kontoauszug, der den Eingang von 663,71 Euro belegte. Dies in Kombination anderer Verurteilungen führte zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 14 Monaten, die er sich vom Bundesgerichtshof Anfang Februar 2010 bestätigen lies.

Der Haftantritt wäre in dieser Woche gewesen. Laut den Zeitungsberichten wurde er am heutigen Tage, den 22.02.2010, nach Suizid mit einer scharfen Waffe, tot in München aufgefunden.

Über Tote soll man nicht schlecht sprechen:

Günter Freiherr von Gravenreuth war ein gewiefter Geschäftsmann und ein guter überzeugender Jurist, und als Kollege schätze seine juristischen Errungenschaften und Geschäftsmodelle keineswegs. Darüber hinaus erachte ich Suizid als selbstgerecht und äußerst feige. Gravenreuth erhält von mir kein Mitleid. Ich bedauere, dass er sich hasenfüßig seiner gerechten Strafe entzogen hat.

Mein Beileid gilt den Hinterbliebenen und Freunden.

ein iPhone ohne Phone, oder ein iPod Touch ohne iPod = iPad

Januar 27, 2010 - Leave a Response

Ja Wahnsinn. Und ich dachte, ich erlebe es nicht mehr. Dass Apple mal daneben greift.

Das iPad wurde heute präsentiert. Hier kann man sich das Produktvideo ansehen:

http://www.apple.com/ipad/#video

Und was kann das Ding?

Wie das iPhone Apps nutzen, ohne ein Telefon zu sein.

Wie der iPod Touch Apps nutzen, ohne ein iPod zu sein, bzw. ohne in die Hosentasche zu passen.

Das Ding wird ab März bei Mediamarkt für angedachte EUR 899 ohne Vertrag erscheinen, und es wird Apfeldeppen geben, die es kaufen. Bestimmt.

Twitter tot: Update

Januar 20, 2010 - Leave a Response

Service Temporarily Unavailable

The server is temporarily unable to service your request due to maintenance downtime or capacity problems. Please try again later.

Additionally, a 403 Forbidden error was encountered while trying to use an ErrorDocument to handle the request.

Twitter is over capacity

Januar 20, 2010 - Leave a Response

http://twitter.com/

WTF?

…VZ im Porno-Test

Januar 19, 2010 - 2 Antworten

Da heute die Meldung rauskam, dass StudiVZ & Co eine TÜV-Zertifizierung erhalten haben, wagte ich ein Experiment.

Als Kerl habe ich mir mal eben schnell ein Bild via Google, von einer süß strahlenden, blonden US-Studentin (ich hoffe, sie verzeiht mir) gesucht, ein neues Profil mit dem schönen Namen Sophia angelegt und natürlich bin ich auch Mitglied in ein paar Gruppen geworden.

Das Fazit, nach 4h Mitgliedschaft:

Ausschließlich Kerle. Natürlich.

Aber es wird noch lustiger:

Ob die kleine Sophia noch mehr Bilder zeigt, wenn ich ihr Freund bin? Na? 😉

Natürlich dürfen zu einem ganz neuen Profil auch ein paar gute Gruppen nicht fehlen – schließlich kennt man als FAKE ja keine realen Personen.

Und dank dieser Gruppen bekam ich auch heute schon die erste tolle Nachricht:

Hallo Sophia,
Ich heiße (…), bin (…) Jahre jung und komme aus (…). Du bist mir in der Gruppe "(…)." aufgefallen und habe mir gedacht, schreibe Dich doch einfach mal an. Du bist mir sehr sympathisch.
Liebe Grüße
(…)

Ich – als Kerl – bin schockiert. Ich lasse das Projekt Fake-Profil mal weiterlaufen und werde wieder berichten. Aber eines möchte ich jetzt schon loswerden:

Liebe Frauen in sozialen Netzwerken,

im Namen vieler (nicht aller) Kerle möchte ich mich entschuldigen. Ihr könnt einem wirklich leid tun. Das gegruschel, das anfragen, das blablabla, nur weil einer länger mal nicht flachgelegt worden ist und Samenüberdruck hat.

Chinesische Mauer – Chinesische Firewall – Sich wiederholende Geschichte

Januar 13, 2010 - Eine Antwort

Tja, wer hätte das gedacht? Auf dem 26C3, im Rahmen der Präsi “Zensur findet statt”, sprach Jens Kubieziel davon, dass China bald ein China-Intranet aufbauen wird um endlich ein sauberes Web für die Chinesen zu haben. Totale Kappung der Leitungen ans große, schmutzige und böse WWW  und jeder, der auch für Chinesen mit seiner Seite erreichbar sein möchte, muss einen Antrag auf White-Labeling bei der chinesischen Behörde für geregelte Informationsfreiheit (oder so ähnlich) stellen, um gefunden zu werden.

Und nun kam heute die Meldung, dass Google sich aus China zurückziehen wird. Baidu, die chinesische Suchmaschine, die der Autor eigentlich nur wegen der guten mp3-Suche kennt, hält den Großteil der Suchanfragen, Google kriegt nur 30 % ab. Und hatte schon mal einen auf den Deckel bekommen, weil Google zuviel Demokratie und solch verwerfliches Zeug zur Verfügung gestellt hat.

Blick in die Zukunft:

Was China anpackt klappt. Die chinesische Mauer erfüllte einst ihren Zweck. Das chinesische Intranet wird zeitweilig seinen Zweck erfüllen.

Lustig:

Im aktuellen SPON-Artikel zum Thema heißt es zum Schluss:

Am 21. Januar will Clinton nach Angaben eines Sprechers eine außenpolitische Initiative für ein freies Internet ohne staatliche Zensur starten. Die Politik richte sich gegen Länder, die den Zugang zu Informationen systematisch beschränken.

Hillarious, die Hillary. Lander, die Zugang zu Informationen systematisch beschränken? Selten so gelacht. Wikipedia – Zensur im Internet:

Heute schon GEkoZt?

Dezember 10, 2009 - Leave a Response

GEZ Abmeldung Hinweis

Diesen freundlichen Hinweis sieht man als erstes, wenn man auf der Homepage der GEZ nach einer Abmeldung umsieht. Beängstigend, nicht wahr?

Ist das nicht vielleicht sogar Erpressung?

Wer das liest soll doch Angst kriegen. Ganz klare Absicht.

Es geht mal wieder um die Erhöhung der GEZ-Gebühr auf 18€ für Handy und Computer – so die aktuellste Idee der GEZ, Geld in die Hütte zu kriegen.

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Google Chromium OS? Braucht man nicht!

November 27, 2009 - 2 Antworten

Das Image von Chromium OS hat eine Größe von 766 Megabyte – Für ein bloßes Betriebssystem mit Browser und Treibern ganz schön viel. Fragt man sich doch, was da so alles noch feiner Google Code drin steckt.

Vorteil von Chromium OS?

Es startet (soll starten) innerhalb von wenigen Sekunden. Und sämtliche Google Apps sind verfügbar.

Braucht man dies? Nein!

Ein Windows Vista / Windows 7 startet aus dem Bereitschaftsmodus innerhalb von wenigen Sekunden (aus dem Total-Aus-Modus braucht es länger – klar).

Und die Apps? Warum nicht den Firefox mit der Erweiterung Google Shortcuts verwenden?

Eine Erweiterung, um alle Google Services gleich neben der Adressleiste als einzelne Buttons anzuzeigen.

Das funktioniert sehr sehr gut!

google_shortcuts_2

Via “Extras / Add-Ons / Google Shortcuts / Einstellungen” erreicht man folgendes Menü, über welches man die verfügbaren Google Apps der Leiste oben hinzufügen kann.

Zur größeren Ansicht auf das Bild klicken!

Fazit:

Ich glaube, ich bleibe bei Windows. Oder Ubuntu. Oder irgendeinem vollwertigem Betriebssystem, welches auch offline funktioniert, und mir ein bißchen mehr Kontrolle über meine eigenen Daten ermöglicht…

Feedback willkommen!

Der schönste Film 2009

November 21, 2009 - Leave a Response

Nach einer wahren Geschichte.

Google Chromium OS

November 20, 2009 - Eine Antwort

Gestern war es soweit. Google stellte endlich sein Betriebssystem vor, und alle Welt war gespannt. Aber worum geht es zunächst? Ein Video von Google erklärt es relativ gut, worum es geht:

Aber ist es – jetzt schon – der große Schuss? Nein. Zum einen handelt es sich um eine ganz frühe Version, die man testweise in einer virtuellen Maschine testen kann, zum anderen ist der eigene PC/Laptop, egal wie aktuell er ist, nicht auf Chromium OS ausgerichtet.

Ich hab mir das Image mal geladen und es via VirtualBox gestartet. Und bin ehrlich gesagt sehr sehr enttäuscht, auch von dieser frühen Version.

Im Grunde ist es wirklich nur der Browser – da hält Google sein Versprechen. Man kann den Chrome Browser zentral mit dem Google Account einloggen…

chromium01

…und hat dann noch zwei schnelle Tabs für Gmail bzw. Googlemail…

chromium02

…sowie für Google Kalender.

Der ganze Kram (bzw. Singular! Es ist wirklich nur der Browser) läuft noch sehr sehr lahm. Eigentlich enttäuschend für das erste Release – auch von Google!

Soweit zu gehen, es als “Betriebssystem” zu bezeichnen, würde ich nicht. Aber so wird es bezeichnet. Chromium OS.

Netbooks, die auf Chromium OS zugeschnitten werden und angeblich in Q4 2010 kommen sollen, stellen dann lediglich einen Client für das Internet dar. Das System an sich, und damit sind Gmail, Google Docs, Google Calendar, Google Talk, Google Photo (Picasa), Google Tasks, etc. alle in die Cloud ausgelagert. Man wird hoffen dürfen, dass unter Verwendung von Google Gears diese Apps auch zwischenzeitlich offline funktionieren – denn auch wenn Google die 90%ige Internetnutzung prophezeit – 10% ist man offline und arbeitet auch so mit der Kiste. Wenn dann aber alles nur online verfügbar ist kann man Chromium OS in die Tonne kloppen.

Natürlich lagern auch sämtliche eigene Dateien bei Google. Bilder, Dokumente, Musik, etc.

Dies birgt Vor- und auch Nachteile hinsichtlich der Sicherheit.

Google ist sicherer als die eigene Festplatte. Das ist klar. Wer Daten bei Google speichert legt sie sicherer ab als zu Hause, im Regal, im Bankarchiv. Denn Google besitzt Server-Farmen auf der ganzen Welt, und die eigenen Dateien werden hier und da und quer gesichert. Mein eines Bild existiert also nicht nur auf einem Server, sondern auf diversen Servern. Wenn meine Hütte abbrennt ist alles weg. Das sämtliche Server von Google abbrennen ist eher unwahrscheinlich.

Wer also der Festplattentechnik misstraut, der möge auf Googles Server-Farmen setzen.

Aber natürlich birgt dies auch Nachteile. Denn wer sichert zu, dass die eigenen Dateien auch wirklich die eigenen bleiben?

Zwei kleine Beispiele:

1. Ich lösche eine gewisse Datei. Was passiert mit den Backups auf den weltweiten Server-Farmen? Wie lange dauert es, bis dies endgültig gelöscht wird? Wird es überhaupt endgültig gelöscht?

2. Zusammenarbeit mit anderen Institutionen: Für Krumfinger dürfte dies keine wirkliche Variante darstellen. Den heimischen Laptop kann man zur Not mit einem Industriemagneten platt machen. Wenn aber alles bei Google gehostet wird, dann reicht ein “einfacher digitaler Dursuchungsbeschluss”… Und man hat Daten in Hülle und Fülle.

Chromium OS hat irgendwie Potential. Und irgendwie birgt es Gefahren. Wahrscheinlich werden wir uns irgendwie daran gewöhnen und anfängliche Bedenken irgendwann vergessen.

Für die Anfangszeit bin ich gespannt, zu welchem Preis die Netbooks mit Chromium OS auf den Markt kommen. Wenn diese deutlich unter 200 € angeboten werden, dann könnte es ein Erfolg werden. Das würde beim daran gewöhnen helfen. Denn allen Bedenken zum Trotz: Geiz ist halt eben geil!

So long!